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The
Beat Hotel - Finale

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Foto
Beathotel 1977: M. Kellner
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... Und so ging diese fruchtbare Periode
der Beatgeschichte ihrem Ende entgegen. Es mag scheinen, daß
das Leben im Beathotel besonders extreme Formen des Experimentierens
und Erforschens gefördert hat, aber letztendlich war genau
dieses ein Charakteristikum aller Beats. Die Beat-Autoren
der ersten Stunde hatten eine Vorliebe für außergewöhnliche
und unerprobte Schreibstile, die sie sodann vehement als die
einzig mögliche Art zu schreiben proklamierten. Für Kerouac
war es die "Spontane Prosa"; er glaubte, daß beim Schreiben
die Worte direkt von Gott kämen, und daß es deshalb ein Sakrileg
sei, sie zu verändern, selbst wenn seine Texte zu einem amphetamingetriebenen
Gebrabbel wurden. Burroughs war gleichermaßen unnachgiebig
in seiner Einschätzung: Cut-Up war der einzige Weg, die Sprache
von den repressiven Kontrollsystemen zu befreien, die ihr
selbst innewohnten. Ginsberg wiederum schlug - mit seinen
Atem-langen Zeilen und dem Versuch, die menschliche Stimme
in ihrer ganzen Emotionalität zu erfassen - eine Schneise
so breit wie eine Stadtautobahn durch die konventionelle Lyrik.
Doch er empfand sich selbst durchaus als "normal" verglichen
mit Gregory Corso, der ein langes Gedicht über jeglichen Gegenstand
schreiben konnte, von Haaren bis hin zur Atombombe: Die Beats
erschlossen die ganze Welt als mögliches Thema in Literatur
und Kunst. Im Hotel beschrieb Kaja Johnston sogar die Schalttafel,
mittels der Madame Rachou den Stromverbrauch in den Zimmern
überwachte: "Die Lämpchen gehen an und aus. / Verbrauchst
du zu viel, leuchtet die Lampe auf."
Das Beathotel hatte auf jeden einen
anderen Einfluß. Für Burroughs brachte es den Beginn seines
Lebens als professioneller Autor. Seine vorherigen Bücher,
Junkie und Queer, waren noch konventionell erzählt und er
hatte sie auf Ginsbergs Drängen hin geschrieben, aber sein
Umzug nach Paris 1958 durchtrennte die Nabelschnur, die ihn
mit diesem verband. Allen war noch immer sein Lektor, sein
Förderer und eifrigster Verteidiger, aber die emotionale Verbindung
lockerte und löste sich dann endgültig. Erst durch Brion Gysin
begann er, sich in erster Linie als Autor zu verstehen. Gysins
uneingeschränkte Unterstützung, sein Enthusiasmus und seine
Bewunderung ermöglichten diese Veränderung: Bill fing an zu
arbeiten, er arbeitete hart, und er tat dies bis zum Ende
seines Lebens. Er brauchte diese Unterstützung und konnte
am besten arbeiten, wenn er einen Assistenten hatte, jemanden,
mit dem zusammen er arbeiten konnte. Nach Gysin waren dies
Ian Sommerville, dem James Grauerholz folgte, und viele andere
Freunde, die im Laufe der Jahre dieses oder jenes beisteuerten.
Im Beathotel befreite Burroughs sich von seiner psychischen
Abhängigkeit von anderen und wurde zu einem Schriftsteller.
Als Burroughs im Dezember 1962 aus dem Beathotel auszog, hatte
er fünf Bücher geschrieben, von denen eines, Queer, erst 1985
publiziert werden sollte. 1962 brachte Grove Press Naked Lunch
in den Vereinigten Staaten heraus, aber da war Burroughs schon
auf dem besten Weg, in seiner Heimat zu einer Kultfigur zu
werden. Grove ließ 1964 Nova Express folgen und publizierte
anschließend im Zweijahresrhythmus The Soft Machine und The
Ticket That Exploded. Burroughs blieb derweil in seinem selbstgewählten
Exil und kehrte erst 1974 nach New York zurück - er hatte
25 Jahre in der Fremde verbracht. Als er 1997 starb, hatte
er siebzehn Romane geschrieben, mehrere Filmscripts und eine
Reihe von kleineren Arbeiten veröffentlicht, seine literarischen
Essays umfassten zwei und seine ausgewählten Briefe drei Bände.
Hinzu kam eine zweite Karriere als Maler, dessen Werke von
Galerien in aller Welt ausgestellt wurden; außerdem hatte
er mehr als ein Dutzend Schallplatten aufgenommen und war
für seine öffentlichen und Auftritte in Film und Fernsehen
gefeiert worden.
Gregory Corso blühte in Paris regelrecht auf. Dort konnte
er "Der Dichter" sein, der in seidener Pelerine und mit silberbeschlagenem
Spazierstock die Damenwelt hofierte. Er wurde zu einer byronschen
Figur von eigenen Gnaden - Captain Poetry - ohne das entsprechende
Vermögen, versteht sich. In Paris wurden Dichter und Schriftsteller
noch respektiert, und das Beathotel wurde zu der Basis, von
der aus Corso operierte, ein englischsprachiger Himmel. Der
Stil seiner Gedichte wurde lockerer und er entwickelte sich
zu einem echten Poeten. Sein durchtriebener Humor schien durch
jede Zeile von Marriage und Hair, und auch für seine längeren
ernsthaften Texte, die sich - wie schon die Titel "Power",
"Police" und "Army" zeigen - mit dem Thema Autorität auseinandersetzen,
fand er eine entsprechende Form. Sein Gedichtband The Happy
Birthday of Death, der den größten Teil seiner im Beathotel
geschriebenen Gedichte enthält, ist bis heute sein bekanntestes
Buch und erlebte mehr als ein Dutzend Auflagen. In Europa
fühlte er sich wohl und in den folgenden Jahrzehnten hielt
er sich immer wieder längere Zeit in Italien, Griechenland
und England auf. Ginsberg hat ihn einmal als einen "Dichter
für Dichter" bezeichnet, und obwohl Corso niemals Allens Bekanntheitsgrad
erreiche, hat er doch ein umfangreiches Werk hervorgebracht:
Der kürzlich erschienene Band seiner "ausgewählten Gedichte"
mit dem Titel Mindstorms umfasst 268 Seiten und enthält je
ein Vorwort von Ginsberg und Burroughs.
Allen Ginsberg war wohl derjenige, der von Paris am wenigsten
beeinflußt blieb. Für ihn war Paris der bestmögliche Zufluchtsort
vor der wachsenden Aufmerksamkeit, die die Medien in den USA
der Beatgeneration entgegenbrachten. In Paris entdeckte er
die europäische Avantgarde für sich, mußte unglücklicherweise
aber wieder nach New York, gerade als er angefangen hatte,
die Personen hinter den legendären Namen kennenzulernen. Es
ist müßig zu spekulieren, ob ihn weitere Treffen zu einem
weniger amerikazentrierten Weltbild oder mehr literarischem
Raffinement geführt hätten. Mit Sicherheit aber war Ginsberg
während der Zeit im Beathotel auf dem Höhepunkt seiner Schaffenskraft
und hier entstanden einige seiner schönsten Gedichte. Zudem
zog es ihn sein Leben lang immer wieder nach Paris und er
wurde ein regelmäßiger Gast der Literatur- und Kunstfestivals
der Stadt. In späteren Jahren äußerte er häufig den Wunsch,
mal ein ganzes Jahr in Paris verbringen zu wollen, um die
kulturellen Seiten der Stadt besser kennenzulernen und einen
anderen Blickwinkel auf die Weltpolitik zu bekommen. Leider
konnte er dieses Vorhaben nie verwirklichen.
Nachdem er zwei Jahre mit Peter Orlovsky in Indien verbracht
hatte, kehrte Allen Ginsberg in die USA zurück; dort wurde
er zu einer einflußreichen Figur der sich gerade formierenden
Hippiebewegung und Aktivist vieler politischer Kampagnen,
etwa zur Legalisierung von Drogen oder der Antikriegsproteste.
1971 wandte er sich dem tibetischen Buddhismus zu, ein Schritt,
der seine poetische und politische Arbeit in neue Richtungen
lenkte und der deshalb von seinen Lesern und Kritikern nicht
immer goutiert wurde. Sein zunehmender Bekanntheitsgrad führte
im Laufe der Jahre dazu, daß er ständig auf Reisen war und
zu einer Art Gesandter der Gegenkultur wurde, der seine Botschaft
von Liebe, Dichtung, Anarchie und Meditation in praktisch
jedem Land der Erde verbreitete. Zum Zeitpunkt seines Todes
war er der wahrscheinlich bekannteste Gegenwartsdichter Amerikas.
Als das Beathotel seine Pforten schloß, kehrte Brion Gysin
nach Tanger zurück und schrieb dort The Process, einen hochgelobten
Roman, der seine literarische Reputation begründete. Er blieb
in Marokko bis 1973 und bezog dann in London eine Wohnung
im Dalmeny Court auf der Duke Street Saint James', wo auch
schon Burroughs und Anthony Balch wohnten. Dort arbeiteten
die drei monatelang intensiv an einem Filmscript zu Naked
Lunch; als dieses Projekt sich nicht realisieren ließ, kehrte
Brion nach Paris zurück, wo er bis zu seinem Tod 1986 lebte
und sich ganz der Malerei widmete. Trotz einiger Ausstellungen
blieb er in der Pariser Kunstwelt weiterhin ein Außenseiter
- er hätte sich, wie er selber einmal sagte, doch besser auf
eine Karriere konzentrieren und dabei bleiben sollen. Die
Verleger sahen in ihm einen Künstler, die Kunsthändler einen
Autor oder einen Gastronom oder einen Performancekünstler
oder Drehbuchschreiber oder Dichter oder - gegen Ende seines
Lebens - Rock-'n'-Roll-Künstler. Er war, noch bevor irgend
jemand wußte, was das eigentlich ist, ein Multimediakünstler,
mit allem, was dazugehört, und damit seiner Zeit weit voraus.
Kurz vor seinem Tod vollendete Gysin seinen Roman The Last
Museum, an dem er zwanzig Jahre lang mehr oder weniger ernsthaft
gearbeitet hatte, und mit dem er dem Beathotel ein unsterbliches
Denkmal setzte. Im Roman wird das Hotel zum Bardo des Tibetischen
Totenbuches, und Madame Rachou führt es im Auftrag seiner
unsichtbaren tibetischen Besitzer. Raum für Raum wird das
Hotel nach Kalifornien verschickt, wo es von einem fiktiven
Getty Museum an den Hängen des San Andreas Grabens wiederaufgebaut
wird, um irgendwann ins Vergessen zu stürzen. Als The Last
Museum publiziert wurde, war das Beathotel bereits 23 Jahre
geschlossen, das Interieur herausgerissen, die Zimmer umgebaut
und die Fassade bis zum ersten Stockwerk komplett erneuert
worden.
Das Hotel in der rue Git-le-Cœur 9 schloß endgültig im
April 1963. William Burroughs erinnert sich an den Tag, als
Madame Rachou und Mirtaud, die Hotelkatze, das Haus verliessen:
"Im Hotel gab es eine graue Katze, die Madame gehörte. Nachdem
sie das Hotel aufgegeben hatte, blieb sie in der Straße wohnen,
praktisch schräg gegenüber. Sie sah sehr traurig aus, wie
so häufig, wenn Menschen sich zur Ruhe setzen. Sie hatte Geranien
vor den Fenstern, eine vom Alter graue Haut und eine alte
graue Katze und irgendwie verblasste sie einfach ..."
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