Harold Chapman - Biographie

1927

Harold Chapman wird am 26. März in Deal, Grafschaft Kent, England, geboren. Schon im Alter von sieben Jahren fängt er an zu fotografieren, Filme zu entwickeln und Abzüge anzufertigen. Als Teenager fotografiert er auf Hochzeiten, macht Portraits und arbeitet freiberuflich für örtliche und überregionale Zeitungen in England. Reisen führten ihn nach Kenia, Uganda und Ägypten. Anfang der fünfziger Jahre Umzug nach London, wo er u.a. als Hochzeitsfotograf arbeitet. 

1954

Die zufällige Begegnung mit dem englischen Dokumentarfotografen John Deakin bringt den Wendepunkt in seiner beruflichen Laufbahn. Er fängt an, das Nachtleben von Soho zu fotografieren, die Jazz-Bars, das Leben auf der Straße, die Menschen des Viertels. (Der größte Teil der Negative aus jener Zeit ist leider verloren gegangen, es existieren nur noch wenige Bilder.) Die Ausstellung „John Deakins Paris" inspiriert ihn zu seiner ersten Reise über den Kanal. In den nächsten zwei Jahren pendelt er zwischen London und Paris. 

1956

Zieht nach Paris und lebt in verschiedenen kleinen Etablissements. 1958 zieht er in ein fünftklassiges Hotel auf dem linken Seine-Ufer, das später und nicht zuletzt dank seiner Bilder als „Beathotel" berühmt wird. Mitbewohner zu jener Zeit sind u.a.: Allen Ginsberg, William Burroughs, Gregory Corso, Brion Gysin, Sinclair Beiles, Harold Norse und Peter Orlovsky. Als Madame Rachou ihr Etablissement 1963 verkauft, zieht er als letzter Bewohner aus. Während der Pariser Jahre arbeitete er unermüdlich an einer Dokumentation über das Pariser Alltagsleben. Vieles von dem, was Harold Chapman fotografiert hat, ist inzwischen verschwunden – so auch Les Halles, die berühmten Markthallen. Mitte der sechziger Jahre Kauf eines Hauses im Midi; er pendelt zwischen seinem neuen Wohnsitz und Paris, insgesamt lebt er mehr als dreißig Jahre in Frankreich. Die Arbeiten aus dieser Zeit werden 1972 unter dem Titel „Vanishing France" veröffentlicht. Claude Lévi-Strauss, der weltberühmte Anthropologe, schrieb über diesen Band: „Die Texte von John Hess und die Bilder von Harold Chapman ergeben nicht nur ein bewegendes, ja poetisches Buch; sie werden gerade für zukünftige Generationen von großer Bedeutung sein, wenn das Frankreich, das sie zeigen, völlig verschwunden ist zugunsten eines neuen, wie auch immer anderen." 

1965

Fotografiert die Mode, die man in der Londoner Kings Road trägt, und hält das bunte, verrückte London der sechziger Jahre im Bild fest. Für die in der Fleet Street ansässigen Zeitungen arbeitet er freiberuflich. 70er und 80er Jahre Fotografiert die Bildbände „The Complete Guide to Londons Street Markets" und „Everyman's France"; für „Victorian Life in Old Photographs", „Memory Lane", „The Home Front" und „Those Were The Days" besorgt er die Bildrecherche und -auswahl. Für „Everyman's France" fährt er 1979/80 in seinem Citroën-2CV-Kastenwagen, in dem er auch lebt, ein Jahr lang kreuz und quer durch Frankreich. Er fotografiert französische Denkmäler, Gebäude und Landschaften und lieferte Beiträge zu der Bücher- und Zeitschriftenserie „Beautés de la France" der Librairie Larousse. 1984 erscheint unter dem Titel „The Beat Hotel" eine Auswahl seiner Fotos aus jenen Jahren in dem französischen Verlag gris banal. Für die New York Times fotografiert er Mode, als freiberuflicher Fotograf ist er u.a. für Philadelphia Inquirer, The Los Angeles Times, Chicago Tribune, San Francisco Chronicle und L'Express tätig, außerdem fotografiert er für die Bildagenturen Fotogram (Frankreich), Topham Picture Library (Großbritannien), The Image Works (USA), The Bettmann Archives (USA), Firo-Foto (Spanien). Er ist Mitbegründer der südfranzösischen Regionalzeitschrift Connaissance du Pays d'Oc, für die er Reportagen macht sowie Bilder für Reiseführer durch die verschiedenen Departements des Languedoc. Auch zwei Bücher über die Landschaft des Herault erscheinen.

1993

 Harold Chapman zieht zurück nach Großbritannien, wo er viel Zeit in Kent und den umliegenden Grafschaften verbringt und die Überreste der Küstenverteidigungsanlagen aus dem Zweiten Weltkrieg fotografiert. Das wachsende Interesse an seinen frühen Arbeiten führt zu einigen Ausstellungen in seiner Heimatstadt Deal.

1997

Die Fotos aus dem Beathotel werden in Johannesburg, Kapstadt, und beim Grahamstown Festival ausgestellt. Anschließend wandert die Ausstellung nach Frankreich und wird im Herbst 2000 erstmalig in Deutschland in der OMC Galerie in Düsseldorf gezeigt. 

1998

Zum dreißigjährigen Bestehen der englischen Fotozeitschrift Creative Camera erscheint sein Werk in der Jubiläumsausgabe, nachdem er schon in der ersten Ausgabe mit einem Beitrag vertreten war. In einem Interview mit Creative Camera 1968 sagte Harold Chapman: „... es ist gar nicht nötig, sich ein Bild auszudenken. Bilder sind überall. Warum also ein Bild erfinden, wenn dasjenige, was ganz natürlich einfach da ist, so viel besser ist? Ich fotografiere für die Zukunft, nicht für die Gegenwart ... Alles, was ich will, ist, die einfachen Dinge der einfachen Menschen festzuhalten, die man gewöhnlich für unwichtig hält." 

2000

Der Schriftsteller und Booker-Preisträger Ian McEwan, der Harold Chapman 1974 kennenlernte, schreibt unter dem Titel „Ein Spion im Namen der Kunst": „Es wäre schon eindrucksvoll genug, Harold Chapmans Leistungen als Vertreter einer großen Reihe von Dokumentarfotografen zu würdigen. Seine glanzvollen Landschaftsbilder des Herault im Languedoc, seine unbezahlbare Dokumentation des Lebens im Beathotel, seine von Tag zu Tag und Jahr zu Jahr fortgesetzte Aufzeichnung des alltägliche Lebens würde seinen Ruf als erstklassiger Fotograf bestätigen. Aber letzten Endes war es schöpferische Paranoia, die aus ihm einen wirklichen Künstler machte." 

2012

The Beat Hotel, ein Dokumentaffilm von Alan Govenar, der das Wirken von Harold Chapman ausführlich würdigt, hat Premiere.  Ein Trailer zum Film findet sich HIER

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